Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt. Zensur ist eine Art des Faschismus!

Sonntag, 31. Juli 2011

Pavol Breslik Liederabend / 28. Juli 2011 Prinzregententheater München



Klavier : Amir Katz

Das Programm

Antonin Dvorak(1841-1904)
Zigeunermelodien op.55

Franz Liszt(1811-1886)
Tre sonetti die Petrarca S.270-1

Robert Schumann(1810-1856)
Die Dichterliebe op.48


Große Freude, Pavol Breslik in seinem Liederabend, während meines Aufenthaltes in München, erleben zu dürfen. Eigentlich hatte ich vor, seine Opern-Gala im Wiesbadner Kurhaus zu besuchen. Da aber nur noch Plätze mit Sichtbehinderung erhältlich waren, gab ich mein Vorhaben auf. Warum, besonders in alten Theatern, stehen überhaupt solche Plätze zur Verfügung? Es ist ja nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Vergnügen.

Wie dem auch sei, Pavol Breslik musste aufgrund seiner Erkrankung die Opern-Gala in Wiesbaden absagen. Es tut mir leid für Musikfreunde, die seinetwegen Karten besorgten. Bestimmt wird er im kommenden Rheingau Musik-Festival wieder auftreten.

Pavol Breslik verfügt über einen lyrischen und zu gleich strahlkräftigen Tenor. Seine Stimme sitzt in allen Registern perfekt. In dem Passagio fließen sie ohne jegliche Brüche. Seine Phrasierungskunst ist bemerkenswert. Auch seine charismtische Bühnenpräsenz ist erwähnenswert. All die positiven Seiten zeigte Pavol Breslik in der Dvoraks Zigeunermelodien und Liszts Petrarca.

Während der Pause hörte ich, Diskussionen über den zwei Tage zuvor stattgefundenen Jonas Kaufmann Liederabend. Es soll nicht begeisternd gewesen sein. Die Meinungen des Publikums ist oft nicht falsch. Das findet man auch in der von Profis geschriebenen Kritiken wieder.

Im zweiten Programm begann Pavol Breslik mit "Im wunderschönen Monat Mai" aus Der Dichterliebe. Bevor er den Gesang eröffnete, hat mir schon die Klavierbegleitung nicht gut gefallen. Zunächst waren die Klavier-Töne nicht innig und transparent genug. Es klang fast oberflächlich. Es fehlte auch an Schwung, welches eines der wichtigen Elemente Schumanns ist. Genau wie Schuberts Lieder, ist die Klavierpartie in Schumanns Liedern, eine eigene pianistische Kunst für sich.

Bresliks Sprachkunst war tadellos. Man verliert keine Silbe von ihm. Ob aber seine Interpretation schumannisch klang, darüber kann man streiten. Für mich war Bresliks Erzählung etwas direkt und extrovertiert. Er ist noch sehr jung, hoch talentiert. Mit einem erfahrenen Begleiter wird er sich sicherlich weiter entwickeln.

Nach dem offiziellen Programm schenkte Pavol Breslik dem begeisterten Publikum 4 Zugaben. Jedes mal antwortete die Zuhörer mit frenetischem Applaus und Bravorufen. Eine solche Publikumsreaktion in einem Liederabend ist ungewöhnlich. Trotz heftigen Regens und Kälte lohnte es sich, das Konzert des jungen sympatischen Tenors zu besuchen.

P.S.: Zu meinem Bedauern wurden alle Fotos von Breslik verschwommen und sind nicht präsentierbar:-( Schade, in dunkel grauem Anzug sah er schick und elegant aus.

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Akustik: gut
Steinway Klang: gut



Kommentare:

  1. Dear lotus-eater,
    Thank you for this interesting post. I like Pavol Breslik very much and I learned most about him in your blog, when you wrotr posts about young tenors.
    Do not worry about the not so good photos. It happened also to me before. I know we regret it because we like to share them with other interested people in the bolg. But the most important is that you have been there, live, and you liked it!

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  2. Was upset because I took many pictures without realizing that my camera was set improperly:-( Whatever, it's a great joy to hear Breslik singing alone for one and half hours. Hope he comes to Wiesbaden next year where's not far from my place.

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  3. Lieber lotus-eater,
    ich finde wir sollten daran erinnern: heute vor genau 90 Jahren starb Enrico Caruso. Ich zitiere einige Notizen: Enrico Caruso (* 25. Februar 1873 in Neapel; † 2. August 1921 ebenda; eigentlich Errico Caruso) war ein italienischer Opernsänger. Er war der berühmteste Tenor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gilt als bedeutendste Figur der Opernwelt. WIKIPEDIA
    'Bei Carusos Beerdigung, am heißen 2. 8. 1921, säumten an die hunderttausend Menschen seinen letzten Weg. Freunde und gekrönte Häupter aus aller Welt waren anwesend. Die Fassaden seines letzten Weges waren mit schwarzen Tüchern verhangen und die Geschäfte in Neapel blieben geschlossen. Nichts Heutiges ist mit seinem Ruhm zu vergleichen.' Franco Bastiano
    'Enrico Caruso war der erste Operntenor, der in einem Stadion auftrat. Das war am 2. November 1919 in der Stierkampfarena von Mexico-City. Caruso sang dort den Radames in Aida vor 25.000 Menschen. Es war ein Erfolg wie man ihn sich heute kaum noch vorstellen kann. Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Sie dauerte bis tief in die Nacht. Später reklamierten gern andere Tenöre, dass sie die Massen als erste begeistern konnten. Eine glatte Fehlinformation.' (Xavier Madrid)
    Caruso erhielt die höchste je gezahlte Operngage (bis heute) von 15.000$ im Jahr 1919, für eine Vorstellung in Mexico-City, das entspräche etwa heutigen 140.000 EURO!!!
    'Caruso trat zwischen November 1903 (Herzog von Mantua, in Rigoletto von Verdi) und Dezember 1920 (Eléazar, in die Jüdin von Halevy) 863 mal in der Metropolitan Opera in New York auf, also in 17 Jahren, ein einsamer Rekord.'
    Als Caruso Berlin besuchte kamen 30.000 Menschen!!! um ihn für eine Minute am Bühneneingang zu sehen. Und das in einer Zeit ohne Handy (cell phone) und internet.
    We have to remeber that giant who cannot be compared to any other singer ever. Thank you Enrico!

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  4. Vielen Dank, Richard Clark.
    Es soll einen neuen Caruso-Film mit Gianluca Terranova geben. Leider sind alle Infos in Italienisch.

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  5. Hallo lotus-eater. Terranova ist ein guter junger Tenor, aber dennoch, man sollte das lieber lassen. Das ist schon einmal gründlich schief gegangen. Der Schmachtfetzen mit Mario Lanza war sogar in Italien verboten weil er das Leben Carusos falsch nachzeichnete und allenfalls den Kitsch bediente. Ausserdem konnte Lanza, der ausser gutem Material nichts vorzuweisen hatte, in keiner Weise an den großen Tenor, die Legende Caruso, erinnern. Lanza, damals bei uns in den USA wie ein POP-Star verehrt (was wußten die meisten Leute dort von Oper), hat ganze drei Mal auf einer Opernbühne gestanden. Was wenige wissen, seine Stimme war sehr klein und hätte kein großes Haus füllen können. Zudem war sie weitgehend ungebildet. Lanzas Stimme wurde für Film und Platte elektronisch verstärkt und mit Hall versehen. Lanza hatte auch Schwierigkeiten im Ensemble zu singen. Nichts gegen eine Dokumentation. Eine sehr gute gibt es bereits.

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  6. Dear lotus-eater, may I ask you a question about Prinzregententheater? It seems to be a wonderful hall for songs. Rafal Blechacz will give a recital there (the big hall) on October 8. How do you think of the acoustics? Does it fit well with his piano sound? How is this hall compared to Herkulessaal as a venue for the piano recital?

    I know it's difficult to take a photo right in the atmosphere just after the exciting, good concert.

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  7. Akikosama,
    Regarding acoustic and ambiance this theater and Herkulessaal are both right for the piano recital. I prefer those halls to Philharmonie Munich with some thousands seats.

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  8. Many thanks! Now I have some idea.

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